Startseite Journal Artikel zur Studie "Bundesliga 2008/09"


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Fans sauer über neue Anstoßzeiten

zur Auswertung Laut der aktuellen sozioland-Umfrage kommen die beliebtesten Vereine der 1. und 2. Bundesliga aus dem Norden der Republik. 74% der Fußballfans lehnen die für die Saison 2009/10 geplanten Änderungen der Anstoßzeiten ab. Und solange der Ball ordentlich rollt, ist die sexuelle Orientierung der Kicker für die Fans nebensächlich.

 

[Artikel] sozioland, März 2009

In einer breit angelegten Umfrage untersuchte sozioland, das Online-Meinungsportal der Respondi AG, zum sechsten Mal in Folge die vielfältigen Meinungen der deutschen Fußballfans zu ihrem Lieblingssport. Die über 17.000 Teilnehmer/innen wurden zwischen August und Dezember 2008 befragt. Dabei drehte es sich vor allem um die Fragen: In welchem Stadion ist die beste Stimmung? Welche Teams sind die (un-)sympathischsten? Und darf ein Fußballprofi zu seiner Homosexualität stehen?

Schön ist’s im Norden
Zum wiederholten Male küren die Bundesligaanhänger den Rekordmeister aus München zum unsympathischsten Verein der 1. Liga (49%). Damit bilden die Bayern Ausgangspunkt eines deutlichen Nord-Süd-Gefälles, denn die beiden sympathischsten Clubs kommen aus dem hohen Norden: Werder Bremen und der Hamburger SV führen in der Gunst der Fans mit jeweils 33% und 26%.

Auch in der 2. Bundesliga können die Nordlichter punkten: Mit 37% ist der FC St. Pauli beliebtester Club der Liga. Wenig begeistern können hingegen die Teufel vom Lauterer Betze, sie werden von 32% der Teilnehmer/innen als unsympathischster Verein verschmäht.

In der 3. Bundesliga sind die Sympathien weniger dramatisch verteilt. Die Fortuna aus Düsseldorf ist sympathischster Verein der Liga. 24% der Stimmen reichen den Flingeranern für die Führung. Dynamo Dresden, deren Fans immer wieder mal unangenehm auffallen, findet dagegen die Hälfte der Befragten unsympathisch.

Treppchen rauf, Treppchen runter
„Hauptsache nicht die Bayern!“ lautet eine beliebte Antwort auf die Frage nach dem zukünftigen Besitzer der Meisterschale. Allen persönlichen Ressentiments und der aktuellen Tabelle zum Trotz sind die Stars vom „FC Hollywood“ aber nach wie vor für ein Drittel der Befragten die Favoriten für die Meisterschaft. Immerhin 25% tippen auf den beliebten Hamburger SV. Senkrechtstarter Hoffenheim liegt mit nur 9% Zuspruch überraschend weit abgeschlagen. Hier vermuten die Fans wohl ein Nachlassen des kraftraubenden Offensivfußballs in der zweiten Saisonhälfte. Der FC Energie Cottbus hat nach Einschätzung der Befragten ganz andere Sorgen. 74% glauben, dass der Verein nicht mehr von seinem Abstiegsplatz herunterkommen wird und die 1. Bundesliga am Ende der Saison verlassen muss, begleitet von der aktuell auf Platz 15 stehenden Arminia Bielefeld (61%) und der kriselnden Borussia aus Mönchengladbach (50%).

Als klaren Favoriten für den Aufstieg in die höchste Spielklasse sehen 73% der Befragten den zur Zeit Zweitplatzierten Mainz 05, gefolgt vom SC Freiburg und dem 1. FCK mit jeweils 52% der Stimmen. Aus der 2. Bundesliga verabschieden dürften sich nach Meinung der Teilnehmer/innen wohl der FSV Frankfurt (60%), der SC Rot-Weiß Oberhausen (50%) und der SV Wiesbaden (38%),

Wenn es nach den Teilnehmer/innen geht, schafft es der SC Paderborn (56%) zurück in die 2. Bundesliga und bringt die Düsseldorfer Fortuna und die Kickers Emden (jeweils 48% und 35%) gleich mit. 53% der befragten Fans sehen keine Chance mehr für die Stuttgarter Kickers. Sie werden wohl ebenso in den Tiefen der Regionalliga verschwinden, wie die Amateurmannschaft aus Bremen (23%) und Jahn Regensburg (27%), die sich zur Zeit wacker auf Platz 16 halten.

Wer hat an der Uhr gedreht!
Die DFL plant für die Saison 2009/10 neue Anstoßzeiten für die 1. und 2. Bundesliga. Dass dabei die Vermarktung mehr im Vordergrund steht als die Interessen der Fans, zeigt deren Reaktion: 67% der Erstligaanhänger lehnen die neue Regelung ab. In der 2. Bundesliga, deren Sonntagsspiele beispielsweise zukünftig schon um 12:30 angepfiffen werden sollen, sind es schon 80%, in der 3. Liga sogar 84%. Ein Umfrageteilnehmer fasst es so zusammen: „Die neuen Zeiten bedeuten für das Familienleben und den Amateurfußball, dass entweder dies oder der Stadionbesuch auf der Strecke bleibt.“ Eine unbefriedigende Situation für all die Supporter, die ihre Mannschaft am liebsten live im Stadion erleben.

Hier bin ich Fan, hier darf ich sein
Dass das Runde ins Eckige muss, wissen wir spätestens seit Sepp Herberger. Aber dass das Drumherum auch wichtig ist, zeigt sich in der unterschiedlichen Beliebtheit der deutschen Stadien. Mit 23% der Stimmen hat der Signal Iduna Park in Dortmund die Nase vorn. Nicht nur die Gastfans kommen hier am liebsten zu einem Auswärtsspiel vorbei, auch die Borussia-Anhänger selbst sind mit ihrem Stadion sehr zufrieden: Stimmung, Sauberkeit, Akustik? Hier stimmt alles. Nur die Verpflegung, finden sie, könnte etwas billiger sein. In der Rangfolge der beliebtesten Erstliga-Stadien für Auswärtsspiele folgen auf Platz zwei und drei die Hamburger HSH Nordbank Arena (20%) und die Veltins-Arena auf Schalke (17%).

St. Pauli, beliebtester Verein der 2. Bundesliga, zeigt sich offenbar auch am gastfreundlichsten. 32% der Umfrageteilnehmer/innen fahren für ein Auswärtsspiel am liebsten ins Kultstadion am Millerntor. Die eigenen Anhänger sind da etwas kritischer. Mit Stimmung und Akustik sind sie sehr zufrieden, aber vor allem zum Thema Sauberkeit gibt es kritische Stimmen.

Anders sieht es beim beliebtesten Stadion der 3. Liga aus. Obwohl 23% der Befragten am liebsten in der LTU arena in Düsseldorf zu Besuch sind, sind die eigenen Fans mit ihrem Stadion nicht besonders zufrieden. Wird die Sauberkeit noch gelobt, fängt spätestens bei den Verpflegungspreisen der Unmut an.

Homosexualität
Die Reaktionen auf die Frage, was die Teilnehmer/innen über Homosexuelle im Profifußball denken, reichen von Entrüstung („Sie fragen ja auch nicht nach Blonden im Fußball.“) über Pragmatismus („Dann müsste man halt nur ein neues Wort für „Spielerfrau“ finden.“) bis hin zu augenzwinkernder Gelassenheit („Mir persönlich sind 100 Schwule 1.000 Mal lieber als ein Schalker.“). Wie ein roter Faden zieht sich durch den Großteil der Antworten die Besinnung auf das Wesentliche: Solange die fußballerische Leistung stimmt, ist die sexuelle Orientierung uninteressant. Ein Teilnehmer bringt es auf den Punkt: „Hauptsache er kann ordentlich vor den Ball treten“. Gleichzeitig herrscht aber auch großes Verständnis dafür, dass vorerst kaum ein Profi-Fußballer sich öffentlich outen wird. Der Tabubruch könnte sie ihre Karriere kosten, von den Schmähungen durch gegnerische Fans ganz zu schweigen.

Bei der parallel in Deutschland, Österreich und der Schweiz durchgeführten Umfrage wurden die Teilnehmer/innen gefragt, ob sie sich vorstellen könnten, Anhänger eines schwulen Fußballers zu sein. Den Rufen nach mehr Toleranz zum Trotz können sich 25% der Deutschen, 32% der Österreicher und 38% der Schweizer nicht mit diesem Gedanken anfreunden.

Die hohe Anzahl derjenigen Unbelehrbaren, die befürchten, schwule Profis könnten ein schlechtes Vorbild für den Nachwuchs sein, spricht ebenfalls für sich. In der deutschen Umfrage vertraten 17% der Teilnehmer/innen diesen Standpunkt, in Österreich waren es schon 28%. Am größten scheint das Ausmaß der Homophobie allerdings unter den Schweizer Fans zu sein. 30% der eidgenössischen Befragten fürchten um ihre Jugendlichen, sollten sich deren Idole als schwul herausstellen.

Es bleibt dabei: Homosexualität im Fußball ist noch immer ein Tabu. Die von vielen Fans gewünschte Toleranz kommt unter dem Druck von Gruppenzwang leider oft nicht über ein Lippenbekenntnis hinaus.

Weitere Ergebnisse
Die grafische Auswertung der Umfrage sowie einen detaillierten Tabellenband und Kommentare zum Herunterladen finden Sie hier:

Ergebnisse der 1.Bundesliga
Ergebnisse der 2.Bundesliga
Ergebnisse der 3.Bundesliga


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