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Die ewige Suche nach dem Wohlfühlgewicht

zur AuswertungEs ist und bleibt ein ewig aktuelles Thema: Diäten. Es gibt sie in unzähligen Varianten, die eine mehr, die andere weniger mühselig.
Soll man es mit einem Diätplan probieren, in der Hoffnung dass er die erwünschte Wirkung bringt? Oder jeden Tag dutzende von Kilometern laufen um dadurch ein paar Gramm Fett zu verlieren?
Helfen Diäten wirklich, Gewicht zu verlieren? Bedeutet schlank sein auch glücklich sein? Und wie steht es um die Gesundheit von Über- als auch von Untergewichtigen?

 

[Artikel] sozioland, März 2006

Das Thema Diät ist wohl eines der wenigen, das in nahezu allen Gesellschaftsschichten nie an Gewicht verliert. Aus diesem Anlass hat sozioland von Anfang April bis Ende November 2005 eine Umfrage durchgeführt, die sich ausführlich Diäten und anderen Formen des Gewichtsverlustes widmete. Von den 1.600 Personen haben bereits 80% mindestens eine Diät ausprobiert.
Während zwei Drittel der weiblichen Befragten Gewicht verlieren wollten, ist dies bei weniger als 40% der männlichen Teilnehmer der Fall.
Eine Diät aus rein gesundheitlichen Gründen kam dagegen gerade einmal für eine Minderheit von 3% in Frage.

Sag dem Fast-Food auf Wiedersehen
Zu den beliebtesten Methoden zum Gewichtsverlust wählten die TeilnehmerInnen Ernährungsumstellung (80%), mehr Bewegung und Sport (72%) und eine von zahlreichen Diätformen (63%), wie die Atkinson-Diät oder die Logi-Methode.
Auch hier fallen geschlechtsspezifische Unterschiede ins Auge. Während das weibliche Geschlecht eher hungert, bevorzugen Männer lieber die sportliche Variante.

FDH - Friss die Hälfte
Die beliebteste Diät-Form unter den Befragten, ist die altbewährte Methode täglich nur die Hälfte von dem zu verzehren, was man den ganzen Tag zu sich nimmt.
Klar, fordert diese Methode als einzige Anstrengung eine harte Selbstdisziplin. 84% der Befragten haben es damit schon einmal versucht.
Entschlackungskuren kommen dagegen weniger an. Zwei Drittel der TeilnehmerInnen haben sich noch nie dieser Prozedur unterzogen.
Mehr Zustimmung finden dagegen individuelle Diätpläne, in denen genau festgelegt ist, wie viel man (Frau) am Tag essen darf und wie viel Sport im Idealfall getrieben werden soll. 55% der Befragten gaben an, es schon einmal mit einem Diätplan probiert zu haben.

Sport ist Mord
Doch was tun, wenn der Diätplan nicht wirkt, oder man es nur schwer schafft weniger zu essen?
Sport als Allheilmittel gegen überschüssige Körperfette? Nun, wer hat schon einmal übergewichtige Sportler gesehen? (Sumoringer, einmal ausgenommen.)
Der Schluss liegt nahe, dass Sport zwar ein anstrengender, aber ebenso effektiver Weg ist, gesund und normal-gewichtig durchs Leben zu gehen.
Doch welche Sportarten sind effektiv? Knapp 70% der Befragten gehen Joggen oder fahren Fahrrad, gefolgt vom Gang ins Fitness-Studio (34%) und dem Trainieren zuhause (30%). „Am besten natürlich mit Gleichgesinnten, dann macht es noch mehr Spaß.“
Bei den unter 25jährigen kommt noch Mannschaftssport hinzu, dessen Beliebtheit aber mit zunehmendem Alter abnimmt.

Warum eigentlich abnehmen?
Bleibt die Frage woher der Wunsch kommt abzunehmen. Hier zeigten sich abhängig von Alter und Geschlecht völlig unterschiedliche Motivationen.
Für 78% aller Befragten steht eindeutig der Wunsch nach mehr Attraktivität im Vordergrund.
Im Gegensatz zur jüngeren Generation, spielt für 70% der über 40jährigen auch die Gesundheit eine wichtige Rolle. Dafür möchten die weiblichen Befragten (50%), wie auch die TeilnehmerInnen unter 18 Jahre (60%), die „perfekte“ Kleidergröße erreichen. Welche das im Endeffekt ist, sei dahingestellt.
All diese Gründe sind eng verknüpft mit dem persönlichen Wohlgefühl. In vielen Kommentaren zu dieser Frage bekannten sich die Befragten zu einem Unwohlsein im eigenen Körper oder „dem Wunsch nach mehr Selbstbewusstsein und sozialer Akzeptanz“.

JoJo-Effekt
Ob Diäten wirken oder nicht, hängt von vielen Faktoren ab. Passt der Diätplan? Hält man sich an die Vorgaben? Wird der jeweilige Sport regelmäßig betrieben?
Leider tritt nach vielen Diäten unweigerlich der sogenannte Jojo-Effekt ein. Man nimmt ab, doch kurz darauf purzeln die losgewordenen Fette wieder auf die Hüften.
Unter den TeilnehmerInnen gaben 15% an, davon betroffen zu sein.
Der Erfolg einer Diät hängt natürlich immer davon ab, wie viele Kilos man loswerden möchte. Bei denjenigen, die über 30 Kilo verlieren wollten, trat der Jojo-Effekt fast doppelt so häufig auf, als bei jenen, die nur 10 Kilo abnehmen wollten.

Meine Freundin Ana
Die häufigsten Formen von Essstörungen sind Anorexie bzw. Magersucht und Bulimie.
Große Aufmerksamkeit in der breiten Öffentlichkeit erlangten diese beiden Krankheiten durch den so genannten „Heroinchic“ der Supermodels der 90er Jahre.
Eine Essstörung wird definiert als eine unübliche Beziehung zum Essen. Zu diesen zählt man auch gewichtsfördernde Krankheiten, wie Binge Eating und Adipositas.
Unter Binge Eating versteht man ständigen Heißhunger auf Nahrung, allerdings ohne anschließendes Erbrechen wie bei der Bulimie. Einige Umfrageergebnisse zeigen, dass Essstörungen sehr langwierige Krankheiten sind, deren Ernst erst spät erkannt wird. Zwei Drittel der Betroffen leiden länger als fünf Jahre an ihrer Krankheit, davon 40% sogar länger als zehn Jahre.
Eine Teilnehmerin drückte ihren sehnlichen Wunsch nach mehr Akzeptanz wie folgt aus: „Ich leide seit mehreren Jahren unter der fürchterlichen Krankheit Bulimie und wünsche mir nichts lieber als aus diesem Teufelskreis endlich auszubrechen.“

Fettabsaugen - "Symptom einer pervertierten Gesellschaft"
Die chirurgische Alternative zu Diäten und Sport, ist das zu den Schönheitsoperationen zählende Absaugen von Körperfetten. Bei drei Viertel der Befragten ist dieser Eingriff äußerst unbeliebt. „Es ist erschreckend, wie sorglos und unverantwortlich das Thema von den Medien und sogar von Ärzten behandelt wird!“
Akzeptiert wird der Eingriff nur als Ergänzung zu Diäten, wenn man z.B. die sogenannten „Reiterhosen“ loswerden möchte.

Weg von Fast-Food und Playstation
Jedes fünfte Kind und jeder dritte Jugendliche in Deutschland ist zu dick? Doch was kann man dagegen tun?
Die deutliche Mehrheit der Befragten sieht einen Handlungsbedarf sowohl bei den Erziehungsberechtigten selbst, als auch im schulischen Bereich.
„Ist doch klar, dass die Kinder dick werden, wenn die Eltern zu faul zum Kochen sind und ihre Kids zu McDonalds schicken“. 80% nehmen die Erwachsenen in die Pflicht und fordern mit gutem Beispiel voranzugehen und den Kindern gesunde Ernährung vorzusetzen.
Ebenso sprechen sie sich für die Einführung von Ernährungslehre in der Schule und verstärkten Schulsport aus.
Die Jugendlichen auf Diät zu setzen, halten dagegen nur 10% für sinnvoll, da dies „von vorneherein ein falsches Bild von Ernährung“ vermittele.

"Das Erste, was man bei einer Abmagerungskur verliert, ist die gute Laune!"
So der deutsche Schauspieler Gert Fröbe. Aber bedeutet das, dünne Menschen haben keinen Spaß?
Eine überwältigende Mehrheit von 82% widerspricht in der Befragung diesem Vorurteil.
Um mit weiteren dieser vorschnellen, und in der menschlichen Gesellschaft leider unwiderruflich eingepflanzten Meinungen aufzuräumen, stellte sozioland den TeilnehmerInnen weitere Fragen über Dick und Dünn.
Der Aussage, schlanke Menschen seien willenstark, stimmten zwei Drittel nicht zu. Körpergewicht hat also in erster Linie nichts mit dem Willen eines Menschen zu tun.
Schlechter bestellt ist es dagegen um die gesellschaftliche Anerkennung von Übergewichtigen. Hat man es im Leben wirklich „leichter“, wenn man schlank ist? 80% der Befragten stimmten dieser Aussage zu.
Ihrer Meinung nach, hat also die äußere körperliche Erscheinung - zumindest was Schlankheit und Übergewicht angeht - erheblichen Einfluss auf soziale Akzeptanz und zwischenmenschliche Wahrnehmung. Dicke haben es demnach deutlich schwerer „an Jobs zu kommen, Partner zu finden und glücklich zu werden“.

Ungeachtet der beruflichen und privaten Chancen im Leben haben übertriebener Schlankheitswahn und starkes Übergewicht dennoch eins gemeinsam. Beide schaden dem menschlichen Körper und verhindern ein gesundes und langes Leben. (flost)


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