Startseite Journal Artikel zur Studie "Eurovision Song Contest 2009"


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Ein ganzer Kontinent im Wohnzimmer

zur Auswertung Zum wiederholten Male hat sozioland, das Informations- und Meinungsportal der Respondi AG, die Fans und Gegner des Eurovision Song Contests (ESC) aufgerufen, im Rahmen einer mehrsprachigen Onlineumfrage ihrer Meinung zum diesjährigen Grand Prix Ausdruck zu verleihen. Bisher über 2.700 Musikinteressierte sind von Mitte Mai bis Mitte April diesem Ruf gefolgt, haben ihren Favoriten gewählt, sich zum neuen Punktesystem geäußert und über die Bedeutung des ESC für ihr persönliches Leben nachgedacht.

 

[Artikel] sozioland, Mai 2009

Bescheidenheit ist eine Zier
Vielleicht aus Tugend, vielleicht aber auch aufgrund der Erfahrungen der letzten Jahre äußern sich die deutschsprachigen Contest-Anhänger eher zurückhaltend, wenn man sie auf die Erfolgsaussichten des Beitrags aus Deutschland – „Miss Kiss Kiss Bang“ von Alex swings, Oscar sings – anspricht: 81% glauben nicht, dass dieser Titel es bis in die Top 10 des Finales schafft. Obwohl 46% ihn immerhin mögen, sieht die Mehrheit der Contest-Anhänger ein Ergebnis am unteren Tabellenrand bevorstehen. Aber vielleicht schafft ja Dita von Teese mit ihrer Tanzeinlage während des Finales einen Durchbruch für die Bundesrepublik.

Noch besser kommt der Schweizer Beitrag „The highest heights“ von den Lovebugs bei den Fans an. 66% gefällt das Lied, aber auch hier glauben nur 28% an eine Platzierung unter den besten Zehn, bzw. rechnen mit einem Platz in guter Nachbarschaft zu Deutschland.

Der glasige Blick in die Kugel
Am 12. Mai findet das erste Halbfinale in Moskau statt. Hier werden die hellseherischen Fähigkeiten der Befragten das erste Mal auf die Probe gestellt. Sie sehen düstere Zeiten für Tschechien, Mazedonien und Bulgarien voraus und prognostizieren ein Scheitern. Auf der sicheren Sonnenseite wägen sie die Türkei, Schweden und Finnland.

Weiter geht es direkt am 14. Mai. Nach Meinung der ESC-Hellseher ist hier dann Endstation für Lettland, die Slowakei und Kroatien, während sich Norwegen, Griechenland und Aserbaidschan über den Einzug ins Finale freuen dürfen.

12, 10, 8, 7, … – Auf die Punkte gebracht
Auf dem Siegertreppchen sehen die ESC-Experten in diesem Jahr andere Nationen mit anderen Titeln. Platz 3 und 2 liegen nur einen Atemhauch auseinander. Ganz knapp kann sich hier Sakis Rouvas aus Griechenland mit „This Is Our Night“ gegen den türkischen Titel „Düm Tek Tek“ von Hadise durchsetzen.

Mit Abstand am höchsten in der Gunst der befragten Musikbegeisterten steht ein Künstler aus dem hohen Norden. Dessen Stück stand erst acht Wochen lang an der Spitze der norwegischen Charts und soll nun die Herzen und Stimmen der Europäer erobern. Die Rede ist von „Fairytale“ von Alexander Rybak. Mit 38% aller Stimmen haben die befragten Contest-Wahrsager ihn zu ihrem Favoriten erklärt und sehen ihn im Gesamtranking ganz vorne.

Der Fels in der Brandung
Egal, ob auf dem Sofa, auf der Schlagerparty oder beim Public Viewing: Der ESC ist im Leben der Befragten eine feste Größe. 52% geben an, dass der Abend des Wettbewerbs für sie etwas Besonderes sei. Und das nicht erst seit gestern. Stolze 82% verfolgen die Veranstaltung seit mindestens fünf Jahren, und 12% sogar seit mehr als 30(!) Jahren. Ob man ihn liebt oder hasst - der ESC ist eine europäische Institution mit Generationen übergreifendem Kultstatus.

Holt ihn zurück!
Der Mensch ist allerdings ein Gewohnheitstier und reagiert auf Veränderungen manchmal etwas widerwillig. In diesem Jahr mussten die Freunde des europäischen Liedguts in Deutschland auf einen öffentlichen Vorentscheid im Fernsehen verzichten. Der Wettbewerbsbeitrag wurde von einer Jury bestimmt. Das können viele nur schlecht verkraften: 69% der deutschen ESC’ler vermissen die nationale Ein- und Mitbestimmungsveranstaltung.

Der Rat der Weisen
Hinsichtlich der Punktevergabe im großen Finale am 16. Mai scheinen die Veranstalter dem Publikum ebenfalls teilweise das Vertrauen zu entziehen. Die Entscheidung liegt nun zur Hälfte in den Händen einer Fachjury. Hier reagieren die Befragten eindeutig positiver. Eine solide Mehrheit von 52% findet dieses Novum klasse. Ein Fan fasst die Diskussion um das Wahlverfahren folgendermaßen zusammen: „Das Voting ist in jedem Jahr ein heikles Thema bei dem ich mich selbst jedes mal wundere.“

Die Politik ist die Politik ist die Politik
Musik, Völkerverständigung, Gewinne, Spaß - beim ESC geht es um viel. Aber Politik? Nein, danke. So sehen es jedenfalls ganze 58% und fordern, die Unterhaltung habe bei dieser Veranstaltung im Vordergrund zu stehen. Aber wo soll man die Grenze ziehen? „Auch ‚Ein bisschen Frieden’ war politisch!“ merkt ein kritischer Geist dazu an.

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